Was Unternehmen ohne Vision verspielen

Aktualisiert: Mai 24

Von vielen Unternehmens-Coaches lernt man: «Jedes Unternehmen braucht eine klare Vision». Doch der wichtige Charakter einer Vision wird den Coaching-Teilnehmern oft gar nicht klar vermittelt. Gruppen-Übungen zum Thema «Unternehmens-Vision» laufen oft ins Leere, werden von den Teilnehmern als unnötig wahrgenommen. Und am Ende kommt dann irgend etwas raus wie: «Wir wollen die besten Produkte der Welt machen».


Oft wird gar ein Werbe-Teaser für die Vision gehalten. Damit verspielen sich Unternehmen viel. Wenn du wirklich wissen willst, weshalb Unternehmen wie Apple, IKEA oder auch aBusiness enorm von ihrer klaren Vision profitieren, und weshalb es sich lohnt, die Vision bei jeder Gelegenheit zu kommunizieren, dann lies diesen Artikel weiter. Du erfährst nicht nur, wie eine klare Vision für Wettbewerbsvorteile und für bessere Umsätze sorgt, sondern du erfährst auch, was eine Vision zwingend enthalten muss, um überhaupt eine Vision zu sein.

Abbildung 1: Die Vision als Beeinflusser im Marketing. Quelle: Eigene Grafik.

Im Marketing kann die Vision als Leuchtturm dargestellt werden. Wie ein Leuchtturm scheint die Vision auf die unterschiedlichen Zielgruppen des Unternehmens. Und diese Zielgruppen werden wiederum mit unterschiedlichen Werbe-Aktionen angeworben. Diese Werbe-Aktionen sind von der Vision geprägt und die Werbe-Aktionen tragen die Vision nach aussen.


Was eine Vision kommunizieren muss


Jetzt wird es wirklich wichtig! Denn es ist einfach nicht jeder Werbe-Teaser oder Spruch eine Vision. Es gibt nämlich zwei Elemente, die von einer Vision unmissverständlich kommuniziert werden müssen.


Eine Vision stellt klar:


  • Was die Mitarbeitenden wissen müssen, um richtig zu handeln.

  • Was die Kunden von diesem Unternehmen erwarten können.


Bist du bereit für ein Beispiel aus eigener Sache? Früher haben wir bei aBusiness CRM nämlich den Spruch "Happy Sales - Happy People" auf alle Verkaufsunterlagen gedruckt. Das Problem bei diesem Spruch: dieser Spruch, der eigentlich nur ein Werbe-Teaser ist, sagt unseren Mitarbeitenden nicht, wie sie handeln sollen. Und der Spruch sagt unseren Kunden auch nicht, was sie von uns erwarten dürfen.


Dieses Manko ist mir Anfang 2020 selbst bewusst geworden. Und ich habe mir überlegt, was muss ich meinen Mitarbeitenden UND meinen Kunden sagen, damit sie wissen, worum es uns bei aBusiness geht? Sofort wird mir bewusst, dass ich ihnen alles notwendige in einem einzigen Satz sagen kann. Dieser eine Satz sagt alles, worum es mir geht:


«Das Arbeitsleben einfacher machen»


Klar! Verständlich. Für jeden. Und es funktioniert! Letzte Woche kommt mein Mitarbeiter zu mir und fragt mich, warum denn diese Vision wichtig sein soll. Er schlägt vor, diese Vision abzuändern. Er meinte, das müsse doch etwas mit der Software zu tun haben, wie «Die Software, die rasch eingerichtet und von überall her zugreifbar ist.». Autsch! Diese Vision würde meinen Vertriebs- und Marketingleuten doch niemals den Weg leiten, wie sie zu handeln hätten. Sie würde meinen Software-Ingeneuren niemals zeigen, wohin sie die Software entwickeln müssten.


Ist klar, dass mein Mitarbeiter darauf reingefallen ist, denn in den meisten Kursen, Büchern und Workshops wo das Thema «Unternehmens-Vision» vermittelt werden soll, wird nicht erwähnt, für was es diese Vision wirklich braucht und wie sie sich zusammensetzt. Damit du und dein Unternehmen nicht auch auf die gleiche Stolperfalle treten, zeige ich dir nun auf, auf was du achten musst.


Auf was du Acht geben musst wenn du eine Vision entwickeln willst


  • Eine Vision muss so klar und unmissverständlich wie möglich sein, damit jede(r) sie versteht.

  • Eine Vision sollte für alle Zielgruppen gleich sein.

  • Eine Vision sollte für alle Abteilungen im Unternehmen gleich sein und die Mitarbeitenden in allen Abteilungen betreffen.

  • Eine Vision sollte den Mitarbeitenden unmissverständlich klar machen, wie sie ihre täglichen Entscheidungen treffen sollten.

  • Eine Vision sollte auf die Zukunft gerichtet sein: sie zeigt deinen Kunden und Mitarbeitenden nicht, was dein Unternehmen bereits endgültig erreicht hat (finit), sondern woran es täglich arbeitet, wie es arbeitet und wohin es weiterhin gehen will (infinit).

  • Wie ein Logo, das nie geändert werden sollte, sollte auch eine Vision beständig sein, weil sich schon viele Kunden und Mitarbeitende mit dieser Vision identifiziert haben.


Hat dein Unternehmen eine Vision oder ist es nur ein Werbe-Teaser?


Wenn du denkst, dein Unternehmen habe eine Vision, dann könnte es auch sein, dass dies nur ein Werbe-Teaser ist. Ich empfehle dir deshalb, die zwei folgenden Gedanken zu machen:


  1. Wenn du heute neu bei diesem Unternehmen als MitarbeiterIn beginnen würdest... Weisst du dann anhand dieser Vision sofort, wie du in deiner Stelle zu handeln hast?

  2. Wenn du ein potentieller Kunde deines Unternehmens wärst, weisst du dann sofort anhand dieser Vision, was du von diesem Unternehmen erwarten kannst?


Falls du mindestens eine dieser Fragen mit «Nein» beantwortest, dann hat dein Unternehmen noch keine Vision! Die vermeintliche Vision ist dann lediglich ein Werbespruch, mit dem eine bestimmte Zielgruppe beworben wird.


Überlege dir, wieviel Werbegelder dein Unternehmen verschwendet, weil Kunden nicht wissen, was sie von diesem Unternehmen erwarten können. Überlege dir, wieviel organisatorisches Chaos entsteht, und wieviele unnötigen Dinge getan werden, wenn die Angestellten im Kundendienst, im Vertrieb und in der Entwicklung nicht genau wissen, wie sie handeln sollen.

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